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CK (Creatin-Kinase, "Gesamt-CK", ) - Übersicht
Univ.Prof.Dr.med. Wolfgang Hübl
    
IN ZWEI SÄTZEN:
Das vor allem in der Muskulatur vorkommende Enzym, die Creatinkinase, ist für die Energiebereitstellung der Zellen wichtig. Man bestimmt die CK im Blut um Skelettmuskelschäden und Herzmuskelschäden (z.B. Infarkt) zu erkennen und zu beobachten.

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NAME:
Kinasen sind Enzyme (=Biokatalysatoren) die helfen, Phosphatgruppen an andere Moleküle zu koppeln. Die Kreatinkinase koppelt Phosphate an Kreatin. Sie wird daher auch als Creatinphosphokinase (CPK) bezeichnet. Das Enzym ist für die Energiegewinnung der Muskelzellen wichtig.
Abkürzungen: CK, CPK
   
INFO:
Was ist die Creatin Kinase (CK)?
Die CK ist ein Enzym (=Biokatalysator), das besonders in Muskelzellen, in Zellen des Gehirns, in geringerer Konzentration auch in vielen anderen Geweben vorkommt. Die Creatinkinase spielt bei der Energiegewinnung der Zellen eine wichtige Rolle. Sie hilft beim Aufbau des "Treibstoffs" ATP (Adenosintriphosphat).

 

Woher kommt die CK des Blutes?
Beim Gesunden stammt die CK-Aktivität im Blut fast ausschließlich aus der Skelettmuskulatur. Bei Muskelschäden kann die CK stark ansteigen. Bei Herzmuskelschäden (z.B. Herzinfarkt) tritt CK aus dem Herzmuskel aus und kann die CK im Blut erhöhen. Nur selten kommt es zu Erhöhungen durch CK-Freisetzung aus anderen Geweben. Da sind es vor allem ausgedehnte Gewebszerstörungen durch maligne Tumoren oder Blutmangel (Darminfarkte), die zu Erhöhungen führen können.

Aktivität der CK in verschiedenen Geweben:
(nach Stein W. in Thomas L., Labor u. Diagnose, 2000)
Gewebe Aktivität in U/g vorherrschende Isoenzyme
Skelettmuskel 800 - 4000 CK-MM
Herzmuskel 240 - 800 CK-MM, CK-MB
Gehirn bis 550 CK-BB
Harnblase bis 135 CK-BB
Dickdarm bis 200 CK-BB
Prostata bis 135 CK-BB
Gebärmutter bis 400 CK-BB

 

Was sind CK-Isoenzyme?
Die CK im Blut besteht aus verschiedenen Typen. Diese haben im Stoffwechsel der Zellen ähnliche Funktion, sind aber unterschiedlich aufgebaut. Man nennt sie Isoenzyme. Sie kommen in bestimmten Organen bevorzugt vor (daher die "Typen"-Bezeichnungen). Die wichtigsten sind die die CK-MM ("Muskeltyp"), die CK-MB ("Herzmuskeltyp") und die CK-BB ("Gehirntyp").
Oft wird im Blut nur die Gesamt-CK (also alle CK-Isoenzyme zusammen) bestimmt, bei speziellen Fragestellungen (z.B. Herzinfarkt) wird auch die CK-MB bestimmt. Die Bestimmung der CK-BB hat keine Bedeutung erlangt.

 

Warum bestimmt man die CK im Blut?

  • Erkennung und Verlaufsbeobachtung von Erkrankungen der Skelett-Muskulatur (also der "normalen" Muskeln)
  • Erkennung und Verlaufsbeobachtung eines Herzinfarkts
    (meist gleichzeitige Bestimmung von CK-MB notwendig)

 

Wie unterscheidet man, ob die CK im Blut aus dem Skelett-Muskel oder aus dem Herz-Muskel gekommen ist?
Zur Unterscheidung hilft die sog. 6% Regel. Dazu bestimmt man die Gesamt-CK-Aktivität und die Aktivität der CK-MB. Im Skelett-Muskel ist viel CK aber nur wenig CK-MB. Gehen solche Muskelzellen zu Grunde wird also viel CK aber nur wenig CK-MB freigesetzt. Der Anteil der freigesetzten CK-MB wird also klein sein. Im Herzmuskel, besonders im längere Zeit vorgeschädigten, ist aber viel CK-MB. Gehen Herzmuskelzellen zu Grunde, wird der Anteil der CK-MB also höher sein.
Als Grenze hat sich 6% bewährt. Beträgt der Anteil der CK-MB mehr als 6% der Gesamt-CK, dann spricht dies dafür, dass der Herzmuskel geschädigt ist (gilt aber nur, wenn auch die Gesamt-CK über einen bestimmten Wert erhöht ist).

Marathonläufer und Patienten mit chronischem Muskelschaden haben einen erhöhten CK-MB-Anteil. Bei diesen Menschen könnte die 6% Grenze überschritten werden, ohne dass ein Herzmuskelschaden vorliegt.

 

Und wenn jemand beides hat - Muskelschaden UND Herzinfarkt?
Das ist tatsächlich ein Problem. Denn wegen des Skelettmuskelschadens ist die Gesamt-CK hoch. Aus dem Herzmuskel kommt zwar beim Infarkt CK-MB, aber zu wenig, um bei der hohen Gesamt-CK die 6% Grenze zu überschreiten. In diesen Fällen hilft die Troponinbestimmung.

   
REFERENZ-
BEREICH:
  Bereich Einheit
Männer unter 170 U/l
Frauen unter 145 U/l

Angaben für sog. "37°C Methode".
Referenzbereiche sind testabhängig.

   
 
Hinweis: aus isolierten, leichten Erhöhungen oder Erniedrigungen von Laborwerten kann man in den allermeisten Fällen keine Schlussfolgerungen auf irgendeine Erkrankung ziehen. Liegen also nur leichte Veränderungen vor, muss keineswegs irgendeine der nachfolgend genannten Erkrankungen oder Veränderungen vorliegen!
ERHÖHUNG:
1. CK wird aus der Skelett-Muskulatur frei

a) akute (=kurzdauernde, heftige) Muskelerkrankungen
(CK-Werte können je nach Ausmaß der Muskelschädigung weit über 10000 U/l liegen. Anteil der CK-MB meist unter 6% der Gesamt-CK)

  • Verletzungen, Verbrennungen, Stromunfälle
  • Operationen
  • Plötzliche Blutunterversorgung des Muskels (Gefäßverstopfungen)
  • Injektionen (die Injektion und auch das verabreichte Medikament kann den Muskel schädigen)
  • Training, körperliche Aktivität
  • Krämpfe, Hustenanfälle, Delirium tremens, Schüttellähmung (M.Parkinson), andauernde Asthmaanfälle
  • Verschiedene Vergiftungen durch Chemikalien, Drogen (z.B. Kokain, Crack) oder Medikamente
    Typisch sind CK-Erhöhungen bei Kokain-Missbrauch. Auch nach mehr als 3-monatiger Abstinenz konnte man noch CK-Erhöhungen beobachten.
  • sog. Maligne Hyperthermie
    (Narkosekomplikation mit Anstieg der Körpertemperatur durch abnorme Reaktion auf manche Narkosemittel)
  • Entzündungen der Muskulatur
    Infektionen durch Viren, Bakterien, Parasiten
    (z.B. Coxsackie-Virusinfektion: Durchfall und "unerklärliche" CK-Erhöhung)

Die Halbwertszeit der CK beträgt etwa 17h. D.h., wenn die Ursache der Muskelschädigung vörüber ist, sollte der CK-Wert nach 17h auf die Hälfte abgefallen sein.

 

b) chronische (=langfristige) Muskelerkrankungen
(Anteil der CK-MB kann über 6% der Gesamt-CK liegen)

  • Erbliche Muskelerkrankungen (z.B. Duchenne-Typ, Becker-Typ können sehr hohe Werte verursachen[>>25000 U/l], andere verursachen geringere oder manchmal keine Erhöhungen)
  • Autoimmunerkrankungen der Muskulatur (Polymyositis, Dermatomyositis) verursachen leichte bis mittlere Erhöhungen
  • Durch andere Erkrankungen verursachte Muskelschäden:
    Bei Schilddrüsenüber- oder unterfunktion, Kaliummangel, Phosphatmangel, Vergiftungen, Krampfleiden, Lähmungen,  Multipler Sklerose, Sarkoidose
  • Medikamente
    Herzrhythmusmedikamente, Betablocker, Lipidsenker u.a.
  • Alkoholismus

Erleiden  Menschen mit chronischem Muskelschaden einen zusätzlichen akuten Schaden wie unter a) beschrieben, kann der CK-MB Anteil über 6% der Gesamt-CK liegen, weil die chronische Schädigung des Muskels den CK-MB Anteil im Muskel erhöht hat. Auch Marathonläufer haben einen hohen CK-MB Anteil im Muskel. Auch bei diesen kann daher ein Muskelschaden oder intensive Belastung zu einem CK-MB Anteil über 6% führen.

 

2. Herzmuskelschädigungen
(Gesamt CK selten über 7500 U/l (37°C); Anteil der CK-MB meist über 6% der Gesamt-CK)

  • Herzinfarkt
  • bei Angina pectoris (Herzenge) eventuell erhöhte Werte
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankungen verschiedener Ursache)
  • Herzquetschung (Herzkontusion) durch Verletzungen
    Meist wird dabei auch ein Skelettmuskelschaden vorhanden sein
  • Operationen am Herzen
    Meist wird dabei auch ein Skelettmuskelschaden vorhanden sein

 

3. Andere Ursachen für CK-Erhöhungen

  • Ausgedehnter Zellzerfall z.B., bei Leberschäden, Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Darminfarkten, malignen Tumoren u.a. Erkrankungen
  • Geburt (CK aus Muskeln, Gebärmutter und Mutterkuchen)
  • Erkrankungen des Nervensystems (Gehirnblutungen, Schlaganfall, Operationen, Schädel-Hirn-Verletzungen, Entzündungen, Epilepsie)
    Oft kommt die CK hierbei aber nicht aus dem Nervensystem sondern aus der Muskulatur (Verletzungen, Krämpfe)

 

   

 

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Letzte Änderung 2005-04-12

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